Ich gehe mal davon aus, dass Sie bereits Ihren Popcorn-Vorrat aufgefüllt haben. Vielleicht haben Sie es sich auch schon auf der Couch gemütlich gemacht und warten bereits gespannt auf die heute nach Börsenschluss erscheinenden Nvidia-Zahlen. Schließlich haben diese das Zeug, den Markt deutlich in die eine oder andere Richtung zu bewegen.

Mit einer Marktkapitalisierung von über drei Billionen Dollar (bei einem Umsatz von ’nur‘ 61 Milliarden Dollar im letzten Geschäftsjahr – das muss man erst mal sacken lassen) ist die Aktie in vielen Indizes inzwischen so hoch gewichtet, dass die Kursbewegungen von Nvidia einen deutlichen Einfluss auf das Kursgeschehen von S&P 500 & Co. haben.

Am Freitag werden wir auf die Zahlen auf jeden Fall kurz eingehen. Auch wenn wir die Aktie nicht im Musterdepot führen, kann ich mir vorstellen, dass viele Cashkurs*Trends-Mitglieder doch die eine oder andere Nvidia-Aktie in ihren Depots haben. Schließlich habe ich den Titel in der Vergangenheit unzählige Male empfohlen.

Buffett macht Kasse

Indes schafft das Orakel von Omaha klare Verhältnisse und verkauft weiter Aktien im großen Stil, um Cash aufzubauen. In den letzten Tagen hat Buffett über seine Investmentholding Berkshire Aktien der Bank of America verkauft und damit rund 982 Millionen Dollar erlöst. Bereits zuvor hat er BoA-Aktien im Wert von mehreren Milliarden Dollar abgestoßen und auch die überdimensionierte Apple-Position um fast die Hälfte verringert und damit 82 Milliarden Dollar erlöst. Inzwischen sitzt Buffett auf einem Cashberg von nahezu 280 Milliarden Dollar. Ein klares Indiz dafür, dass der Mann das Chancen-Risiko-Profil des Aktienmarktes als alles andere als ideal ansieht. Und das sehe ich genauso.

Damit fühle ich mich aktuell etwas weniger einsam mit meiner erhöhten Cashquote im Musterdepot. Weiterhin erachte ich es für extrem wichtig, jetzt und auch sonst nie FOMO, also der Angst, etwas zu verpassen, zu erliegen. Wir tun gut daran, Cash vorzuhalten. Früher oder später kommt es wieder zu einer größeren Korrektur. Und wie würde mir da das Herz bluten, wenn wir bereits voll investiert wären und keine Mittel für Nachkäufe von attraktiv bewerteten Qualitätsunternehmen zur Verfügung stünden.

Illumina – Strategie-Update

Kurz vor meiner Blinddarm-Saga gab Illumina ein Strategie-Update für Investoren. Neu-CEO Jacob Thaysen legte im Update dar, wie man wieder zu alter Stärke zurückfinden möchte.

Vor allem möchte man dies mit der Verschiebung des Fokus von den Kosten für die Entschlüsselung von menschlichen Gencodes auf die gesamte Wertschöpfungskette tun.

Denn inzwischen steuert die reine Sequenzierung nur mehr 35 bis 40 Prozent der Gesamtkosten für Gen- und Zellforschungsvorhaben bei. Der Rest entfällt auf die Vorbereitung (beispielsweise von Zellproben) sowie auf die Analyseprozesse nach der erfolgten Sequenzierung. Im Zuge der neuen Strategie ist man darin bestrebt, den Kunden entlang des gesamten Prozesses Geld zu sparen und Gensequenzierung dadurch günstiger zu gestalten. Durch die geringeren Kosten soll die Technologie dadurch einen breiteren Kundenkreis schmackhaft gemacht werden.

Zudem erweitert man sein Lösungsspektrum und kann dank der NovaSeq-X-Sequenzierer der neuesten Generation noch tiefgreifendere Analysen anbieten. Das Stichwort hierbei ist ‚multiomics‘. Vereinfacht gesagt geht es hierbei nicht nur um die Analyse von Genomen, sondern auch beispielsweise von Proteinen, Stoffwechselprozessen und weiteren Informationen. Die Kunden erhalten dadurch einen weitaus größeren Mehrwert, als es bisher der Fall war, wodurch Krankheiten noch besser erforscht und Medikamente zielgerichteter entwickelt werden können.

Auch den Onkologiebereich möchte man weiter stärken. In diesem Bereich unterstützt man praktizierende Ärzte bei der Früherkennung und Analyse von Krebs. Auch nach der Behandlung können Illumina-Lösungen dazu genützt werden, um den Patienten auf verbliebene Krebszellen hin zu scannen, was mit konventionellen Methoden nur bedingt erfolgreich ist. Allein bei letzteren Thema handelt es sich um einen 800 Millionen Dollar schweren Markt, der laut Thaysen für Illumina ein Potenzial von zehn Milliarden Dollar birgt. Dies würde voraussetzen, dass von den jährlich 20 Millionen Patienten, bei denen Krebs diagnostiziert wird, bei der Hälfte solche Tests (Kostenpunkt 1.000 Dollar pro Patient) durchgeführt würden. Was solche Hochrechnungen angeht, sollte man immer vorsichtig sein und sich nicht von großen Zahlen blenden lassen. Trotzdem gibt uns dies eine Ahnung, welches Potenzial im Markt, den Illumina bespielt, stecken könnte.

Neue Wachstumsziele

Auch ergebnisseitig hat man neue Ziele ausgegeben. Die neue Strategie impliziert ein jährliches Umsatzwachstum im prozentual hohen einstelligen Bereich. Gleichzeitig möchte man durch Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen die bereinigte operative Marge um fünf Prozentpunkte steigern, wodurch der Gewinn pro Aktie pro Jahr im prozentualen Zehnerbereich zulegen sollte.

Angesichts der Tatsache, dass die gesamte Branche im prozentual niedrigen Zehnerbereich wachsen soll, irritiert es mich etwas, dass Illumina hier niedrigere Umsatzwachstumsziele veranschlagt. Denn dies würde implizieren, dass man Marktanteile verliert. Andererseits wird das Management vorsorglich erst einmal bewusst tief stapeln, um nach den immer wieder enttäuschenden Quartalszahlen der letzten Jahre auf Nummer Sicher zu gehen.

Wir sollten dem neuen Management (Chairman und CEO mussten letzten Herbst den Hut nehmen) Zeit geben, bevor wir voreilige Schlüsse ziehen. Eine neue Strategie materialisiert sich nicht innerhalb weniger Monate. Bereits in den zehn Monaten, die Thaysen an Bord ist, sehen wir Fortschritte und eine Refokussierung bei Illumina. Und das macht Mut.

Tesla – Brennender Semi Truck

Tesla’s LKW, der Semi Truck, geriet jüngst in die Schlagzeilen. Ein Semi war von der Fahrbahn abgekommen, prallte gegen einige Bäume und fing anschließend Feuer, das von den Rettungskräften nur mühsam gelöscht werden konnte. Beim Vorfall wurde niemand verletzt und der Fahrer konnte sich selbst vom Unfallort entfernen.

Die zuständigen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Wenn man sich die Zahlen, zumindest was herkömmliche PKW’s angeht, ansieht, scheint die Brandhäufigkeit bei E-Fahrzeugen deutlich niedriger auszufallen, als es bei Verbrennern der Fall ist. Problematisch ist allerdings, wie man das Feuer wieder auskriegt, wenn es tatsächlich zu einem Brand kommt.

Auch wenn nur wenige Zellen in einem Batteriepack betroffen sind und aus irgendeinem Grund anfangen, zu brennen, können durch die entstehende Hitze auch benachbarte Zellen überhitzen und ebenfalls in Brand geraten. Dies kann zu einer Kettenreaktion führen, wodurch sich Batteriebrände, solange noch genügend Restenergie in den Batterien vorhanden ist, schwer löschen lassen.

Seit dem Vorfall hat die Tesla-Aktie rund fünf Prozent an Wert verloren. Ich würde mich aber davor hüten, hier auf einen kausalen Zusammenhang zu schließen.

Die News des brennenden Semi hat für uns in meinen Augen keine große Relevanz, trotzdem möchte ich Ihnen diese nicht vorenthalten. Bei Cashkurs*Trends sollen Sie schließlich nicht nur „Eitel-Sonnenschein-Wohlfühl-News“ erhalten, sondern möglichst objektive Einschätzungen.

Was die Elektromobilität angeht, hat aber ohnehin bereits jeder seine Meinung und diese sind meist so verhärtet, wie bei kaum einem anderen technologischen Thema. Wenn ich mir so die Kommentare unter vielen YouTube-Videos zum Thema ansehe, mutet es an, als würde hier nicht über das Für und Wider eines Antriebskonzepts diskutiert, sondern über Religion.

Ich selbst gehe davon aus, dass sich E-Antriebe langfristig durchsetzen. Sonst hätte ich auch keine Tesla und Albemarle ins Musterdepot gekauft. Es wird, so glaube ich, die Zeit kommen, in der E-Autos günstiger sein werden als klassische Verbrenner. Und wenn dieser Moment erst einmal da ist, werden viele kritische Stimmen verstummen. In China sind E-Autos bereits jetzt im Schnitt günstiger als Verbrenner.

Porsche – Fundamental spannend

Anhängern der Verbrenner-Fraktion kann ich in diesem Sinne die Aktie von Porsche (WKN: PAG911) ans Herz legen, die seit dem Börsengang massiv an Wert verloren hat.

Das hat mehrere Gründe. Porsche leidet derzeit an rückläufigen Umsätzen. Im ersten Halbjahr fiel der Umsatz um 6,3 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro. Hemmschuh ist hier vor allem der traditionell wichtige chinesische Markt. Im ersten Halbjahr 2023 stand dieser Markt noch für 26 Prozent aller Auslieferungen. Im ersten Halbjahr 2024 waren es nur noch 19 Prozent. Grund dafür ist die anhaltende wirtschaftliche Schwäche im Reich der Mitte sowie die Zurückhaltung der Konsumenten, was Luxusprodukte angeht. Vielleicht liegt es zu einem gewissen Teil auch an der Einführung von Xiaomi’s elektrisch betriebenen SU7-Sportwagen, bei dem man sich in der Designabteilung des Elektronikherstellers sichtlich am ikonischen Porsche-Design bedient hat.

Quelle: Xiaomi

Der Flitzer kostet umgerechnet rund 30.000 Euro und ist damit wesentlich günstiger als ein vergleichbarer Porsche Taycan. Allerdings soll das Auto Berichten zufolge nicht unerhebliche Sicherheitsmängel haben, unter anderem eine unterdimensionierte Bremsanlage für eine Leistung von bis zu 676 PS. Qualitativ muss man bei Porsche also sicher keine Angst vor der Konkurrenz haben. Ich hatte letztes Jahr die Möglichkeit, einen Taycan testweise zu fahren und ich war schlichtweg begeistert.

Mehrere Baustellen

Was ebenso schwer auf der Aktie wiegt, ist die Sorge vor möglichen Einfuhrzöllen, die China als Reaktion auf die europäischen Strafzölle erheben könnte. Porsche könnte hier natürlich eines der Top-Ziele Pekings darstellen, wodurch die Preise steigen und die Nachfrage weiter sinken könnte.

Es gibt also durchaus das eine oder andere Problem, das Porsche hier bewältigen muss. Andererseits haben wir es mit einem ikonischen Autobauer zu tun, dessen Markenmacht nicht unterschätzt werden darf.

Die Margen sind deutlich höher als bei den meisten konkurrierenden Autobauern, die Bilanz schuldenfrei und die Unternehmenskultur langfristig ausgerichtet.

Zudem stellt sich die Frage, ob bei der aktuellen Bewertung nicht langsam, aber sicher das Gröbste bereits eingepreist ist. Anhand der Analystenschätzungen ergibt sich ein KGV von 13,2. Vergleichen wir dies mit dem KGV von Ferrari, das bei über 50 liegt, wirkt Porsche wie das Schnäppchen des Jahres. Zudem gibt es bei Porsche rund drei Prozent Dividendenrendite, bei Ferrari nur 0,7 Prozent.

Allerdings muss man Ferrari auch zugutehalten, dass die Italiener in China nicht einmal sechs Prozent ihrer Umsätze generieren, wenngleich auch Ferrari in diesem Markt im letzten Quartal ein Umsatzrückgang um 25 Prozent verzeichnen musste. Und auf Konzernebene konnte Ferrari den Umsatz im letzten Quartal trotz einer schwierigen Marktlage immerhin um 2,7 Prozent steigern.

Auf dem aktuellen Niveau erachte ich die Porsche-Aktie jedenfalls als sehr attraktiv. Mutige Investoren, die daran glauben, dass sich die Marke in China wieder berappeln können wird, können zugreifen. Aus charttechnischer Sicht wären allerdings Kursrücksetzer in den Bereich zwischen 60 und 57 Euro durchaus ableitbar. Wie ich auf diese Ziele komme, erläutere ich im Freitags-Video.