Liebe Cashkurs Trend*Invest-Mitglieder,

anbei ein Update zu den aktuellen Quartalszahlen

John Deere Q1 2026 (endete 02.01.2026)

Die weltweiten Verkäufe und Umsätze stiegen um 13 Prozent auf 9,61 Milliarden US‑Dollar, die reinen Erlöse aus Verkäufen von Maschinen und Geräten lagen bei 8,0 Milliarden US‑Dollar nach 6,81 Milliarden US‑Dollar im Vorjahr. Gleichzeitig ging der Nettogewinn von 869 Millionen auf 656 Millionen US‑Dollar zurück, was einem Minus von rund 25 Prozent entsprach; das verwässerte Ergebnis je Aktie sank von 3,19 auf 2,42 US‑Dollar. Damit zeigte sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Umsatzdynamik und Ergebnisentwicklung, die im Kern auf Margendruck durch Zölle, ungünstigen Produktmix und zyklische Schwäche im Großmaschinen-Geschäft zurückzuführen war.

Segmente

Auf Segmentebene bleibt die bekannte Kernstruktur bestehen:

  • Production & Precision Agriculture: Umsatz +3%, operative Marge 4,4%
  • Small Agriculture & Turf: Umsatz +24%, operative Marge 9%
  • Construction & Forestry: Umsatz +34%, operative Marge 5,1%

Während die globale Großlandtechnik insgesamt weiterhin unter Druck steht, beobachtet Deere bei den eigenen Produkten eine anhaltende Erholung der Nachfrage – vor allem im Bau‑ und Kleinlandtechniksegment. Diese positiven Entwicklungen könnten bestätigen, dass 2026 den Tiefpunkt des aktuellen Zyklus markiert und damit eine solide Grundlage für stärkeres Wachstum in den kommenden Jahren schafft.

Auch im Teilsegment Construction und Small-Agriculture-Segment konnten spürbare Nachfrageerholung verzeichnet werden. In der Praxis bedeutet das: Während Landwirte noch bei großvolumigen Investitionen angesichts hoher Zinsen, volatiler Erzeugerpreise und teilweise bereits modernisierter Flotten zurückhaltend bleiben, ziehen Bestellungen für kleinere Traktoren, Rasen- und Grundstückspflegegeräte sowie kompakte Baumaschinen wieder an.

Construction & Forestry profitiert von laufenden Infrastrukturprogrammen, Wohnungsbauprojekten und einer insgesamt robusteren Bauaktivität in wichtigen Märkten, was sich in höheren Volumina und einer besseren Auslastung der Werke niederschlägt. Im Finanzdienstleistungsbereich bleibt Deere ein zentraler Akteur der Absatzfinanzierung; hier stehen stabile Portfoliogrößen und ein diszipliniertes Risikomanagement im Vordergrund, auch wenn höhere Refinanzierungskosten die Margen tendenziell belasten.

Die Wachstumsquellen des Quartals liegen damit klar in der Breite des Portfolios und der geografischen Diversifikation. Deere hebt explizit hervor, dass die Vielfalt der Kundensegmente und Regionen Resilienz und Wachstum ermögliche und dass die Auslieferungen im Quartal über Plan lagen, während sich die Orderbücher weiter füllten. Das Umsatzplus von 13 Prozent ist vor allem volumengetrieben, unterstützt von selektiven Preisanpassungen und einem höheren Anteil margenstärkerer Lösungen im Bereich Precision Agriculture und vernetzter Maschinen. Gleichzeitig zeigt der Rückgang des Nettogewinns, dass die Bruttomargen unter Kostendruck stehen – unter anderem durch höhere Material- und Lohnkosten, anhaltende Effekte aus Zöllen, die in den Produktionskosten verbucht werden, sowie durch einen ungünstigeren Mix mit schwächerem Großmaschinenanteil.

Investitionen & Produkte

Strategisch setzt Deere den Kurs konsequent auf Investitionen in Forschung und Entwicklung fort. Das Management betont, dass man bewusst über den Zyklus hinweg in Innovation investiert habe und nun kurz vor der Einführung einer breiten Palette neuer Produkte und Lösungen in allen Geschäftssegmenten stehe. Konkrete Schwerpunkte sind – auch wenn sie im Quartalsbericht nicht in Form einzelner Modellnamen ausbuchstabiert wurden – klar erkennbar: Präzisionslandwirtschaft mit hochgenauer Applikationstechnik, Sensorik und Datenplattformen; teil- und vollautonome Funktionen für Feld- und Baugeräte; Elektrifizierung und Hybridantriebe in ausgewählten Maschinenklassen; sowie digitale Services, die Maschinen, Flottenmanagement und agronomische Beratung integrieren. Diese Investitionen dienen nicht nur der Differenzierung gegenüber Wettbewerbern, sondern sollen auch die Zyklizität des Geschäfts abmildern, indem wiederkehrende Software- und Serviceerlöse ausgebaut werden.

Neue Produktvorstellungen wird es zwischen dem 3-7.03.26 in Las Vegas, USA geben. Deere arbeitet seit einiger Zeit an einer sukzessiven Erneuerung der Traktoren- und Erntemaschinenplattformen mit höherer Automatisierung, verbesserten Kraftstoffverbräuchen und tiefer Integration in die eigene digitale Infrastruktur. Im Bereich Small Agriculture & Turf stehen neue, effizientere Kompakttraktoren, Rasen- und Grundstückspflegelösungen sowie vernetzte Geräte im Fokus, die auf kleinere Betriebe, Kommunen und private Anwender zielen. Im Construction-&-Forestry-Segment liegt der Schwerpunkt auf produktiveren, vernetzten Baumaschinen, die durch Telematik, vorausschauende Wartung und Flottenoptimierung Mehrwert bieten. Auch wenn der Quartalsbericht diese Roadmap eher auf Portfolio- als auf Produktebene beschreibt, ist die Stoßrichtung eindeutig: mehr Software, mehr Konnektivität, mehr Automatisierung – und damit höhere Kundenbindung und potenziell stabilere Margen über den Zyklus.

Ex-Kurs künstliche Intelligenz bei Deere

Deere ist in den vergangenen Jahren zu einem der technologisch ambitioniertesten Industrieunternehmen geworden – weit über klassische Land‑ und Baumaschinen hinaus. Wenn man über KI und vernetzte Maschinen bei Deere spricht, geht es im Kern um drei miteinander verzahnte Ebenen: Sensorik und Datenerfassung auf der Maschine, cloudbasierte Auswertung und Entscheidungslogik, sowie autonome oder halbautonome Funktionen, die direkt in die Arbeitsprozesse eingreifen. Deere verfolgt dabei eine klare Strategie: Maschinen sollen nicht nur produktiver werden, sondern zu datengetriebenen Systemen, die Erträge optimieren, Ressourcen sparen und Arbeitsabläufe automatisieren.

Im Bereich Precision Agriculture ist KI längst ein integraler Bestandteil. Moderne Deere‑Maschinen sind mit Kameras, Lidar‑Sensoren, GNSS‑Empfängern und Edge‑Computing‑Einheiten ausgestattet, die in Echtzeit Daten verarbeiten. Ein prominentes Beispiel ist die kamerabasierte Erkennung von Pflanzen und Unkraut, bei der KI‑Modelle einzelne Pflanzen identifizieren und die Spritzdüsen millisekundengenau steuern. Das Ergebnis ist eine drastische Reduktion des Herbizideinsatzes, oft um mehr als die Hälfte.

Vernetzte Maschinen sind die zweite Säule. Deere betreibt mit dem John Deere Operations Center eine der größten Agrar‑Datenplattformen weltweit. Jede moderne Maschine sendet kontinuierlich Betriebsdaten, Standortinformationen, Leistungsparameter und agronomische Daten in die Cloud. Dort werden sie analysiert, visualisiert und mit historischen Mustern abgeglichen. Landwirte können Felddaten, Maschinenflotten, Arbeitsfortschritt und Inputverbrauch in Echtzeit überwachen. Gleichzeitig fließen diese Daten zurück in die Maschinensteuerung: Wenn ein Feldabschnitt beispielsweise aufgrund von Bodensensorik oder Satellitendaten eine geringere Stickstoffaufnahme zeigt, kann die Maschine automatisch die Ausbringmenge anpassen. Das Zusammenspiel aus vernetzter Maschine und KI‑gestützter Entscheidungslogik führt zu einer Art digitalem Zwilling des Betriebs, der langfristig Erträge stabilisiert und Kosten senkt.

Im Baumaschinensegment verfolgt Deere eine ähnliche Logik, allerdings mit anderen Anwendungsfällen. Vernetzte Bagger, Radlader oder Forstmaschinen nutzen KI‑Modelle zur Optimierung von Bewegungsabläufen, zur Erkennung von Materialhaufen, zur automatischen Nivellierung oder zur präzisen Steuerung von Anbaugeräten. Telematikdaten ermöglichen vorausschauende Wartung, indem Algorithmen Muster in Vibrationen, Temperaturen oder Hydraulikdrücken erkennen und Ausfälle prognostizieren. Für Bauunternehmen bedeutet das weniger Stillstand, bessere Auslastung und geringere Betriebskosten. Auch hier ist das Ziel klar: Maschinen sollen nicht nur stärker, sondern intelligenter werden.

Ein weiterer Baustein ist die Autonomie. Deere arbeitet seit Jahren an vollautonomen Traktoren, die ohne Fahrer Feldarbeiten ausführen können. Die Technologie basiert auf einer Kombination aus KI‑gestützter Objekterkennung, hochpräziser Navigation und cloudbasierter Überwachung. Der Landwirt definiert Aufgaben im Operations Center, und die Maschine führt sie selbstständig aus. Noch ist diese Technologie nicht flächendeckend im Markt, aber Deere hat sie bereits in Pilotprojekten demonstriert und sieht darin einen zentralen Wachstumstreiber der nächsten Dekade.

All diese Technologien zahlen auf ein strategisches Ziel ein: Deere will den Anteil wiederkehrender Software‑ und Serviceerlöse deutlich erhöhen. KI‑gestützte Funktionen, datenbasierte Optimierungen und vernetzte Maschinen schaffen genau diese Grundlage. Sie machen das Geschäftsmodell weniger abhängig von reinen Maschinenzyklen und eröffnen neue Margenpotenziale.

Ausblick

Der Ausblick des Managements für das Gesamtjahr 2026 ist trotz des Ergebnisrückgangs im ersten Quartal überraschend konstruktiv. Deere hebt die Prognose für den auf das Unternehmen entfallenden Nettogewinn auf eine Spanne von 4,5 bis 5,0 Milliarden US‑Dollar an und bezeichnet das Jahr 2026 als voraussichtlichen Boden des aktuellen Zyklus. Der operative Cash-Flow soll zwischen 4,5 und 5,5 Milliarden US‑Dollar liegen. Die Begründung: Die Erholung in Construction und Small Agriculture gewinnt an Breite, die Orderbücher sind solide, und die anstehenden Produkteinführungen sollen zusätzliche Nachfrageimpulse liefern. Gleichzeitig bleibt das Management realistisch, was die Großlandtechnik betrifft: Hier rechnet man kurzfristig nicht mit einer schnellen Rückkehr zu den Rekordniveaus der vergangenen Jahre, sondern eher mit einer Bodenbildung auf niedrigerem Niveau, bevor ein neuer Investitionszyklus einsetzt.

Fazit

Deere lieferte im ersten Quartal 2026 ein Zahlenwerk, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt – starkes Umsatzwachstum bei deutlich rückläufigem Gewinn. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch ein konsistentes zyklisches Bild: Die Großlandtechnik befindet sich noch im Abschwung, während Construction und Small Agriculture bereits in die Erholungsphase eintreten. Das Unternehmen nutzt diese Phase, um mit F&E-Investitionen seine technologische Führungsposition in Präzisionslandwirtschaft, Automatisierung und vernetzten Maschinen auszubauen. Die Anhebung der Jahresergebnisse und die klare Positionierung von 2026 als Zyklustiefpunkt unterstreichen den strategischen Optimismus des Managements, auch wenn Margendruck und makroökonomische Unsicherheiten nicht ignoriert werden können. Durch die zunehmende Vernetzung der Maschinen und die darauf aufbauenden datengetriebenen Servicelösungen schafft sich Deere in den kommenden Jahren eine deutlich weniger zyklische und stabilere Einnahmequelle.

Bildquelle: John Deere Webseite