IBM zählt zu den Unternehmen, die selten den lautesten Hype erzeugen, aber oft an der Infrastruktur der nächsten Technologiewelle bauen. Der Konzern verknüpft sein klassisches Geschäft – Mainframes, Software und Hybrid Cloud – zunehmend mit Quantencomputing und agentischer KI. Besonders konkret wird das beim Quantencomputing: Bis 2029 will IBM mit „Starling“ einen fehlertoleranten Quantencomputer mit 200 logischen Qubits und 100 Millionen Quantenoperationen bereitstellen – der Schritt von der akademischen Demonstration zur industriellen Anwendbarkeit. Das wirtschaftliche Potenzial ist enorm: McKinsey sieht bis 2035 einen möglichen Wertbeitrag von bis zu zwei Billionen US-Dollar in Branchen wie Chemie, Life Sciences, Finanzdienstleistungen und Mobilität.

IBMs entscheidender Vorteil ist das Ökosystem: Über die Quantum-Plattform und das Framework Qiskit hat der Konzern früh eine Entwicklerbasis aufgebaut und verbindet technologische Tiefe mit betrieblicher Anschlussfähigkeit. Dass die Fortschritte real werden, zeigt die Zusammenarbeit mit der Cleveland Clinic: Im Mai 2026 gelang gemeinsam mit RIKEN die Simulation eines Proteins mit 12.635 Atomen – die bislang größte biomolekulare Simulation per Quantencomputer. Parallel treibt IBM mit watsonx agentische KI voran – weg vom reinen Antworten hin zum eigenständigen Planen und Ausführen von Aufgaben, mit den IBM-Stärken Kontrolle, Sicherheit, Integration und Governance.

Risiken bleiben: Quantencomputing ist technisch anspruchsvoll, teuer und rückschlaganfällig, die Konkurrenz ist stark, und IBM droht zwischen Innovationsanspruch und Preisdruck zerrieben zu werden. Gerade deshalb ist der Konzern interessant: Er steht nicht für den schnellen Effekt, sondern für die langfristige Architektur. Gelingt die Übersetzung von Quantencomputing, Hybrid Cloud und agentischer KI in marktfähige Unternehmenslösungen, könnte „Big Blue“ erneut zum Taktgeber der nächsten industriellen Rechenepoche werden.

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Herzliche Grüße
Dirk Müller